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Hummeln – Unverzichtbare Bestäuber in Gefahr

Ein Mann lächelt, während er eine große Hummel auf seiner Hand hält.

Hummeln sind weit mehr als nur pelzige Verwandte der Bienen. Sie gehören zur Familie der echten Bienen (Apidae) und spielen eine zentrale Rolle in der Bestäubung vieler Pflanzenarten – sowohl in der Landwirtschaft als auch in natürlichen Ökosystemen. Doch trotz ihrer enormen Bedeutung sind viele Hummelarten heute bedroht. In diesem Artikel erfährst du alles Wissenswerte über Hummeln, ihren Lebenszyklus, ihren Lebensraum und was du tun kannst, um sie zu schützen.

Hummeln

Hummeln sind Insekten aus der Gattung Bombus und zählen dabei zur Familie der staatenbildenden Bienenarten. Weltweit gibt es etwa 250 bekannte Hummelarten, in Europa rund 70 – davon leben etwa 40 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie zeichnen sich durch ihren gedrungenen Körperbau, die dichte Behaarung und das tiefe Summen beim Fliegen aus.

Ihr robustes Erscheinungsbild täuscht: Hummeln sind extrem effiziente und spezialisierte Bestäuber. Anders als Honigbienen fliegen sie auch bei niedrigen Temperaturen und schlechtem Wetter. Deshalb gehören sie zu den ersten Insekten im Frühjahr und den letzten im Spätsommer.

Der Lebenszyklus der Hummel

Der Lebenszyklus einer Hummel beginnt im Frühjahr mit einer überwinterten Königin. Sobald die Temperaturen über 10 °C steigen, verlässt sie ihr Winterquartier und macht sich auf die Suche nach einem geeigneten Nistplatz – häufig verlassene Mäusenester, Erdlöcher oder Hohlräume in Holz oder Gebäuden.

Sobald ein Nest gefunden ist, legt die Königin die ersten Eier. Aus diesen entwickeln sich ausschließlich Arbeiterinnen, die später die Versorgung des Volkes übernehmen. Im Spätsommer produziert die Königin schließlich Männchen und neue Königinnen, die sich paaren. Nur die begatteten Königinnen überwintern – der Rest des Volkes stirbt mit dem Herbst.

Die wichtigsten Phasen:

  • Frühling: Königin erwacht aus der Winterruhe und gründet ein Nest.
  • Frühsommer: Erste Arbeiterinnen schlüpfen und übernehmen Sammelarbeit.
  • Spätsommer: Produktion neuer Königinnen und Männchen.
  • Herbst: Alte Königin stirbt, neue Königinnen suchen Winterquartiere.

Die Rolle der Hummeln bei der Bestäubung

Hummeln sind für viele Pflanzenarten unverzichtbare Bestäuber, denn sie übernehmen Aufgaben, die andere Insekten nicht leisten können. Dank ihrer Fähigkeit zur Vibrationsbestäubung (auch „Buzz-Pollination“ genannt) bestäuben sie Pflanzen wie Tomaten, Paprika und Heidelbeeren besonders effizient – wobei Honigbienen bei diesen Arten oft versagen.

In der Landwirtschaft werden Hummeln deshalb gezielt in Gewächshäusern eingesetzt, etwa zur Bestäubung von Tomatenpflanzen. Ihr Beitrag zur Biodiversität und Ernährungssicherheit ist immens – und dennoch wird ihr Wert oft unterschätzt.

Vorteile der Hummelbestäubung:

  • Effektive Bestäubung auch bei schlechtem Wetter
  • Höherer Fruchtansatz und bessere Erntequalität
  • Unverzichtbar für bestimmte Kulturpflanzen
  • Wichtig für Wildpflanzen und die Stabilität von Ökosystemen

Lebensraum und Nahrung

Hummeln sind auf artenreiche Blühflächen, Streuobstwiesen, Wiesen, Hecken und Waldränder angewiesen. Sie benötigen über die gesamte Saison hinweg ein durchgehendes Angebot an Nektar- und Pollenpflanzen.

Besonders beliebt sind Pflanzen wie:

  • Klee
  • Wiesen-Salbei
  • Natternkopf
  • Borretsch
  • Glockenblumen
  • Phacelia (Bienenfreund)

Auch Gärten können wertvolle Rückzugsorte bieten – vorausgesetzt, sie sind naturnah gestaltet, frei von Pestiziden und bieten heimische Blühpflanzen.

Bedrohungen und Rückgang der Hummelpopulation

Wie viele Insektenarten sind auch Hummeln heute stark bedroht. Studien zeigen, dass in den letzten Jahrzehnten viele Hummelarten dramatisch zurückgegangen oder regional sogar ausgestorben sind. Hauptursachen sind:

  1. Intensive Landwirtschaft: Monokulturen, Pestizide und fehlende Blühflächen
  2. Lebensraumverlust: Versiegelung, Bebauung und Rückgang naturnaher Flächen
  3. Klimawandel: Verschiebung von Blühzeiten, extreme Wetterereignisse
  4. Krankheiten und Parasiten: z. B. durch eingeschleppte Arten oder mangelnde Genvielfalt

Besonders alarmierend ist, dass sogar häufige Arten wie die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) Anzeichen von Rückgang zeigen. Einige spezialisierte Hummelarten sind bereits aus weiten Teilen Mitteleuropas verschwunden.

Was kann man für den Hummelschutz tun?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie du Hummeln aktiv unterstützen kannst – sowohl im eigenen Garten als auch auf kommunaler oder landwirtschaftlicher Ebene.

Tipps für Garten und Balkon:

  • Pflanze heimische, nektarreiche Blumen
  • Verwende keine Pestizide oder chemischen Dünger
  • Biete Nistmöglichkeiten, z. B. Hummelkästen oder ungestörte Erdbereiche
  • Sorge für durchgehende Blütezeiten von März bis Oktober

Tipps für Landwirt:innen und Gemeinden:

  • Anlage von Blühstreifen und Ackerrandstreifen
  • Erhalt von Hecken, Wiesen und Saumbiotopen
  • Späte oder abschnittsweise Mahd zur Schonung der Nester
  • Förderung von ökologischer Landwirtschaft

Hummeln erkennen und beobachten

Die häufigsten Arten in Mitteleuropa lassen sich mit etwas Übung unterscheiden:

  • Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris): Schwarz mit gelben Streifen und weißem Hinterleib
  • Steinhummel (Bombus lapidarius): Schwarz mit auffällig rotem Hinterteil
  • Ackerhummel (Bombus pascuorum): Hellbraun bis orange, eher zierlich
  • Gartenhummel (Bombus hortorum): Lange Zunge, gelb-schwarz-weiß gestreift

Mit einem Bestimmungsbuch oder einer App wie „ObsIdentify“ oder „iNaturalist“ kannst du ganz einfach bei der Bürgerforschung (Citizen Science) mitmachen und Hummeln dokumentieren.

Fazit: Hummeln brauchen unsere Hilfe

Hummeln sind faszinierende, friedliche und für unsere Umwelt unverzichtbare Insekten. Ohne sie wären viele Pflanzen – und damit auch unsere Nahrungsmittel – in Gefahr. Doch sie kämpfen ums Überleben. Mit kleinen Maßnahmen im Alltag können wir großen Einfluss auf ihren Schutz haben.

Indem wir ihre Lebensräume bewahren, naturnah gärtnern und auf Pestizide verzichten, leisten wir einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität und zum Erhalt einer gesunden Umwelt.

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